„Es ist nie zu spät mit dem Surfen anzufangen!“

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„Es ist nie zu spät mit dem Surfen anzufangen!“

SURFEN IM NATIONALTEAM: INTERVIEW MIT ‚HERO‘ VALESKA

Vom 20. bis zum 28. Mai finden die 2017 ISA World Surfing Games in Biarritz (Frankreich) statt und damit zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in Europa. Nicht nur für die Franzosen ist das was Besonderes, sondern auch für FIT STAR Hero Valeska Schneider. Die Studentin hat erst vor 5 Jahren mit dem Surfen angefangen und tritt in Frankreich für Deutschland an. Wir haben mit ihr gesprochen über ihren Sport, ihre Ziele und was Anfänger beachten müssen.


Der Surfsport ist ja in Deutschland noch etwas unterentwickelt, trotz des Coolness-Faktors. Wie kann man Laien am Besten erklären, wo Du jetzt in Frankreich hinfährst und warum das ein großes Ding ist?
Ich fahre zu den ISA World Surfing Games in Frankreich. ISA ist die International Surfing Association und wahrscheinlich kann man es am Besten mit den olympischen Spielen vergleichen. Jedes Land schickt da seine Vertreter. Es gibt zwar Einzelsieger, aber eben auch ein Teamranking, das dann ein Land gewinnt. Mit dem Wettbewerb wollte man lange zeigen, dass Surfen ein passender Sport für Olympia ist – und ab 2020 ist es dann ja soweit. Surfen ist das erste Mal olympisch.

Und wie kann man da mitmachen, bei den ISA World Surfing Games?
In Deutschland qualifiziert man sich über die deutschen Meisterschaften und das Ranking aus den Leistungen der letzten Jahre. Bei den Mädels gibt es zwei Plätze für Deutschland. Die deutsche Meisterin vom Vorjahr qualifiziert sich automatisch und der zweite Platz kommt dann von der Rangliste. Deutsche Meisterin ist Francesca Harrer und ich habe meinen Platz über die Rangliste bekommen.

Was sind Deine Ziele in Frankreich?
Allein mitzumachen und Teil des Nationalteams zu sein ist schon ein großes Ziel. Dadurch, dass vor Ort auch Vollprofis und World Tour Surferinnen dabei sind, wird das Niveau aber schon extrem hoch sein. Teams wie Frankreich und Brasilien sind da schon sehr gut ausgestattet. Ich will vor Ort einfach mein Bestes geben, so gut Surfen wie ich kann und dann schauen wir mal.

Wie bereitest Du Dich auf das Turnier vor?
Bis gerade war ich in Australien und mache da auch meinen Master. Ich bin viel im Wasser, habe aber auch an Land einen Trainingsplan. Viel Functional Training, bisschen Ausdauer, bisschen Techniktraining im Wasser mit Trainer. Dadurch, dass Surfen sehr von den Umweltbedingungen abhängt wirft man aber den Trainingsplan auch mal spontan über den Haufen und trainiert dann was anderes.


Wer ist der Favorit?
Frankreich will dieses Jahr schon unbedingt gewinnen, weil sie einfach auch Gastgeber sind. Aber Favoriten sind sonst eher Brasilien oder Australien, gerade im Vergleich zu ‚land-locked-countries‘ wie Deutschland oder die Schweiz.

Du sprichst von Land-Locked-Countries, obwohl Deutschland eine Küste zu zwei Meeren hat. Heißt das in Deutschland kann man eh nicht richtig surfen?
Dadurch dass England sozusagen im Weg ist, kommen an der Nordsee selten gute Wellen an. Wenn dann eher im Winter und da ist es dann natürlich richtig kalt in Deutschland. Gerade wenn es schlechte Wellen hat und arschkalt ist haben natürlich wenige Lust sich ins Meer zu stürzen und surfen zu lernen. Bei Flusswellen hat Deutschland dagegen schon mehr zu bieten. Zwei Jahre nach meinem ersten Surfkurs habe ich mit dem Surfen am Eisbach in München angefangen, was ja vielleicht die bekannteste Surfwelle in Deutschland ist. Allerdings ist Flusssurfen natürlich schon was anderes, gerade was die Balance angeht.

Wann hast Du denn mit dem Surfen angefangen?
Ich habe 2012 angefangen, da war ich 20. Das ist ziemlich spät, aber ich habe die ersten Jahre auch echt viel Zeit im Wasser verbracht. Surfen ist ein Sport, da muss man einfach viel Zeit im Wasser verbringen um besser zu werden.

Was heißt ‚echt viel Zeit‘?
Die Hälfte des Jahres bin ich letztlich Surfen gesurft. Die Semesterferien und alle Praktika habe ich immer an irgendwelchen Küsten verbracht, so dass ich ins Wasser konnte. So bin ich schnell besser geworden.

20 klingt nach einem ziemlich späten Start, trotzdem surfst Du jetzt auf hohem Niveau. Ist es jemals zu spät um mit dem Surfen anzufangen?
Ich glaube, dass es nie zu spät ist, mit dem Surfen anzufangen. Man sieht auch immer wieder Senioren in den Wellen, die dann halt mit größeren Boards surfen. Surfen hat ja auch kaum Verletzungsrisiko. Man kann das also lange machen.


Was sind Deine Standardübungen bei FIT STAR?
Für die Beine mache ich extrem viel Explosionskraft und Schnellkraft. Für den Core dagegen vor allem Rotationsübungen, weil man im Oberkörper auf dem Board schnell wechseln muss. Erst schaut man die Welle an, dann dreht man sich von ihr weg. Dafür braucht man Stabilität. In den Armen braucht man für das Paddeln vor allem Kraft-Ausdauer.

Welche Muskelpartien werden beim Surfen besonders beansprucht?
Viel Beine und Hüfte, weil man natürlich viel in die Knie gehen muss und wieder aufstehen. Dazu kommt Core-Stabilität um das Board auszubalancieren. Das liegt daran, dass man erst zur Wellenwand hingedreht fährt und wenn man dann oben ist dreht man sich wieder nach unten. Das braucht viel Kraft, die Rotation zum einen zu halten und zum anderen auch das Board mitzudrehen. Außerdem ist man beim Surfen zu gefühlt 90% am Paddeln. Da kommt die Kraft dann vor allem aus den Schultern und dem Lat.

Wenn jemand anfangen möchte den Sport zu betreiben, was für Übungen empfiehlst Du ihm oder ihr?
Am Anfang ist man schon sehr viel damit beschäftigt die Wellen zu erwischen und braucht vor allem fürs Paddeln die richtige Technik. Am Anfang fallen auch gut Trainierten beinahe die Arme ab. Das ist außerhalb vom Wasser aber ziemlich schwer zu trainieren. Dafür muss einfach surfen.

Was hat Dich am Meisten beim Surfen überrascht, als Du neu angefangen hast?
Es hat mir echt von Anfang an Mega-Spaß gemacht. Wie man die Wellen mitnimmt und diese Kraft fühlt. Und dieses Feeling erlebst Du auch, wenn Du noch nicht so gut bist und das macht ziemlich süchtig. Es ist aber auch echt anstrengend. Gerade das weite Paddeln am Anfang. Außerdem haben viele Menschen Angst, dass sie unter die Welle gesaugt werden, obwohl das bei normalen Wellen gar nicht schlimm ist.

Was sind Deine nächsten Ziele?
Die deutschen Meisterschaften würde ich gerne gewinnen, das wäre auf jeden Fall ein großes Ziel. Und außerdem will ich solange im Nationalteam bleiben, wie ich kann.

Bilder: Valeska Schneider